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Einsicht in die Therapie

Weiterentwicklung: Bisher bewegte sich Vera immer im Stehen. Doch eines Tages setzt sie sich auf den grossen Ball, später auf den Boden und legt sich schliesslich hin. Durch die am Boden entspannteren Bewegungen spürt sie deutlicher, was sie als angenehm empfindet und was nicht. Dadurch, dass sie in meiner Anwesenheit ihren Bedürfnissen nachgeht wird ihr bewusst, dass sie dies in ihrem Alltag nicht tut. Sie nimmt Bedürfnisse entweder gar nicht wahr, oder übergeht sie. Sie macht keine Mittagspause und isst wenn, dann vor dem Bildschirm. Sie vergisst zu trinken und ist nonstop am Tun. Erst an Feierabend kippt quasi der Schalter auf die gegenteilige Seite. Vor Erschöpfung mag sie weder Einkaufen, geschweige denn sich etwas kochen das sie mag. Sie freut sich einzig darauf, sich hinzulegen, Fastfood zu essen und Serien schauen.

Auf einmal spürt Vera den Impuls, sich vom Boden abzustossen mit den Armen, dem Rumpf oder den Beinen. Diese Muskelspannung empfindet sie im ersten Moment als negativ weil es anstrengend sei. Doch der Wechsel von Spannung und wieder Loslassen wird für sie zu einem Experiment. Sie nimmt ihre Kraft wahr und realisiert zugleich, dass sie jederzeit wieder nachgeben kann. Sie selbst bestimmt ihren Krafteinsatz. Ihr Gefühl dabei ist: «das, was ich will, kann ich selbst tun»

Vera stellt anschliessend fest: «es geht hier um mich. Ich werde mir allmählich bewusst über meine innere Stärke und Stabilität. Ich habe wenig Angst davor, nicht ertragen zu können, wenn ich mich nicht gut fühle. Ich kann mich halten.»

 

Vera wechselt Positionen vom Stehen zum Sitzen und Liegen. Sie spürt sich wieder, was ihr ermöglicht, den Körper von innen her wahrzunehmen, nicht nur als leeres äusseres Spiegelbild. Liegend verstärkt sich die spürbare Verbindung zu sich. Durch Entlastung und Nachgeben kann der Körper neue Energie tanken. Um den Energiehaushalt adäquat zu regulieren, ist Selbstwahrnehmung von entscheidender Bedeutung. Vera pendelte zwischen Extremen: Sie investierte ihre gesamte Energie in die Arbeit, so dass sie abends erschöpft, nur noch konsumieren wollte.

In den letzten Wochen lernte sie, durch Entlastung und Nachgeben neue Energie gewinnen. Erst jetzt, nachdem sie genügend lange auftanken konnte spürt sie die Lust, ihre Kraft auszuprobieren. Obwohl liegend, fühlt sie sich nicht ohnmächtig. Durch Kraftsteigerung und Nachgeben so wie es ihr gerade einfällt übt sie sich in Selbstbestimmung. Sie fühlt in meiner Anwesenheit nicht (mehr) dazu gezwungen, eine bestimmte Leistung zu erbringen, sondern reguliert den Krafteinsatz selbst nach oben oder nach unten. Durch diese Entwicklung fasst sie Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Schweres oder Schwieriges zu ertragen. In körperlicher und in psychischer Hinsicht.